Projekt für behinderte Kinder in Nigeria

Unser Schriftführer Wolfgang Kluth engagiert sich im Verein Human and Environment e.V. Bremen und ist in diesem Verein Schatzmeister. Die Internetadresse des Vereins ist
http://www.human-and-environment.org.
Der gemeinnützige Bremer Verein Human & Environment e.V. (H&E) wurde im April 2002 gegründet. Initiator war der nigerianische Ingenieur James Olusanmi, der Unterstützer zurVerbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in seinem Heimatland suchte. Gleichzeitig war und ist es ihm ein Anliegen, die vielen in Bremen lebenden BürgerInnen aus afrikanischen Ländern mehr einzubeziehen und ihnen das Leben und Arbeiten in der hiesigen Gesellschaft zu erleichtern. Daher setzt sich H&E – neben der Unterstützung der Projektpartner in Nigeria – für einen respektvollen und gleichberechtigten Dialog zwischen Menschen mit afrikanischen Wurzeln und der Bremer Bevölkerung ein. Im Verein engagieren sich mehr als 50 Mitglieder. Sie kommen aus der Mehrheitsgesellschaft und aus derzeit sechs afrikanischen Ländern. Es gibt einen 5-köpfigen Vorstand, im beratenden Beirat engagieren sich aktuell acht Mitglieder. Alle Gremienmitglieder arbeiten ehrenamtlich und überwiegend bereits seit vielen Jahren.

Unser neuestes Projekt soll das Leben von Kindern mit Behinderungen erleichtern und soll den Integrationsgedanken in Nigeria fördern.

Hier einige Auszüge aus Projektbeschreibung:
Situationsbeschreibung/Problemanalyse
Das Projekt soll in Osogbo, der Landeshauptstadt des kleinen Bundeslandes Osun-State (3,4 Millionen Einwohner) im Südwesten Nigerias duchgeführt werden. Die „School for Parsons with Special Needs“ liegt am Stadtrand von Osogbo neben den MobilePolice Headquarters, Power Line Area. Die nigerianische Partnerorganisation hat seit über 10 Jahren ihren Arbeitsschwerpunkt in Osogbo und ist von der Bevölkerung als regierungsunabhängige und basisnahe NGO anerkannt. Seit 2012 sensibilisiert die NGO Politik und Bevölkerung für den Einsatz von Biogas. Unmengen verfaulender organischer Abfälle auf Märkten und in der Landwirtschaft könnten kompostiert oder als wertvolle Substrate in Biogasanlagen zu Biogas und biologischem Dünger eingesetzt werden…

2/3 der Nigerianer leben in extremer Armut, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 53 Jahrenund gehört zu den niedrigsten der Welt. Die Gesundheitsversorgung ist unzureichend, das allgemeine Bildungsniveauniedrig. Neben der schlechten Infrastruktur im Transportsektor wird die Entwicklung des Landes durch die instabile Sicherheitslage vor allem im Norden und Südosten Nigerias durch Terrorgruppen schwer beeinträchtigt. …. Unter diesen Bedingungen sind Kinder mit Behinderungen besonders benachteiligt. Extreme Armut ist ein „idealer“ Nährboden für das Entstehen und die Nichtbewältigung von Behinderungen. Etwa 80 % der Kinder erleiden ihre Behinderung durch Komplikationen während Schwangerschaft/Geburt, durch Krankheiten in den ersten 5 Lebensjahren, Unfälle oder Mangelernährung. Dennoch geht ein Großteil der Bevölkerung bis heute davon aus, dass die Behinderung eine Strafe Gottes sei, dass Hexenkraft und Geister oder das Fehlverhalten der Mutter/Eltern gegenüber tradierten Normen Auslöser gewesen
seien. Soziale Abwehrreaktionen wie Vorurteile, Ignoranz, Tabuisierung, Verdrängen oder Anschuldigungen können die Anwendung ritueller Schutzmassnahmen auslösen. Die Familien empfinden Scham und erleben Isolation. Sie verstecken und vernachlässigen das Kind oder weisen es völlig ab bis hin zum Aussetzen oder Töten des Kindes. Die Entscheidung der Eltern für oder gegen das Kind ist somit einerseits wirtschaftlich-rationell, da die Behinderung ihres Kindes eine lebenslange Hilfe und Pflege durch die Familie verlangt, der Staat wenig unterstützt und die Wahrung der Lebensinteressen der „gesunden“ Kinder dringender ist. Andererseits sind jedoch irrational-emotionale Gründe wie Vorurteile/Ängste durch tief verwurzelte traditionelle Denkweisen, eine religiös-magische Lebensanschauung oder die Sorge um Ausgeschlossensein aus der Gemeinschaft ausschlaggebend für ihr Verhalten gegenüber ihrem behinderten Kind. Die betroffenen Kinder erleben sich als abhängig, schwach, ungeliebt und einsam. Werden sie von ihrer Familie verlassen, haben sie kaum Chancen auf Bildung, müssen betteln, überleben oft nicht.

Zielgruppe(n)
In der staatlichen „School of Persons with Special Needs“ in Osogbo werden seit 1984 Kinder mit Behinderungen betreut. Aktuell besuchen insgesamt 750 Schüler*innen im Alter von 3-18 Jahren die Primary- und Secondary-Schulen auf dem Gelände. Es sind blinde und gehörlose Kinder und solche mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen. Unter ihnen sind auch Kinder, die von ihren Familien verstossen wurden. An der Schule unterrichten 36 Pädagogen, daneben gibt es 14 nichtpädagogische Mitarbeiter. Auf dem 2 ha großen Gelände der Schule befindet sich das angegliederte Internatsgebäude für derzeit 180 Kinder aus den Primare Klassen. Die Räume, in denen Mädchen und Jungen getrennt leben, sind überfüllt, die 4 Latrinen auf dem Gelände in einem schlechten Zustand. Gekocht wird mit Feuerholz in einer bescheidenen Aussenküche. Die Regierung finanziert eine tägliche Mahlzeit für die Kinder der Primary School, die auf drei kärgliche Tagesrationen aufgeteilt wird. Die materielle und personelle Ausstattung reicht nicht aus für eine adäquate Förderung und Versorgung der Kinder. Auf dem Gelände befindet sich ein Brunnen, der nur in der Regenzeit Wasser liefert; dies stellt ein besonderes Problem dar. Größere Investitionen kann die Regierung bei der schwierigen Wirtschaftslage nicht finanzieren. Schulleitung und Behörden sind dankbar für jede sinnvolle Formder Unterstützung von außen.

Ziele

Die Kinder des Internats der „School of Persons Needs“ haben Zugang zu sauberem (Trink-)Wasser.Die Toiletten haben einen Wasserzulauf und Abfluss der Fäkalien. Die Exkremente verunreinigen nicht mehr das Grundwasser und das Schulgelände. Mädchen und Jungen haben getrennte Toiletten. Die verbesserte sanitäre Versorgung bietet vor allem den Mädchen Schutz und bessere Hygienemöglichkeiten auch während der Menstruation. Die Exkremente werden als Biomasse ebenso wie organische Küchenabfälle der Biogasanlage zugeleitet und in Biogas zum Kochen umgewandelt.Die unsichere, kostenverursachende und zeitaufwendige Versorgung mit Feuerholz, Holzkohle oder Kerosin zum Kochen entfällt aufgrund der zuverlässigen Biogasproduktion. Beim Kochen mit Biogas werden schädliche Klimagase, Atemwegserkrankungen und Verbrennungsunfälle vermieden. Die sich in den Kammern absetzenden Gärreste können als hochwertiger Biodünger chemischen Dünger ersetzen und an Gemüsebauern verkauft oder zur Düngung des geplanten Gemüsebeetes auf dem Schulgelände genutzt werden. Die Anlage dient als Pilotprojekt zur Anregung und weiteren Verbreitung der nachhaltigen Energiegewinnung und dem Grundwasserschutz.

Geplante Aktivitäten
Es soll eine erweiterbare Biogasanlage mit der erforderlichen Infrastruktur für das Internat auf dem Schulgelände gebaut werden. Das Projekt umfasst die Planung, den Bau sowie die Schulung, Inspektion und Supervision der gesamten Anlage. Der Leiter der Partnerorganisation ist Elektrotechnik-Ingenieur und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Planung und Durchführung von unterschiedlichen Bauvorhaben und Elektroinstallationen in Nigeria, u.a. im Bau von Biogasanlagen. HR&EPF wird die Planung, Koordination, Schulung, den Bau und die Inspektion der Biogasanlage übernehmen. Lokale Firmen werden alle anderen handwerklichen Massnahmen ausführen. Das Material wird von lokalen Händlern geliefert, die Methanbrenner von einer chinesischen Firma. Die Infrastruktur beinhaltet folgende Komponenten:
• Biogasanlage: 1x16m³ „Fixed Dome“ Kammersystem
• Tiefbrunnen mit submersibler Wasserpumpe und 1500 Watt Solar Voltaic System
• 2×3000 Ltr. Overhead-Wassertanks auf einem Stahlträgergerüst
• Bau einer Toilettenanlage mit 2 Mädchen- und zwei Jungentoiletten mit Wasserspülung und Zuleitungen zur Biogasanlage
• 2 Methangasbrenner einschließlich der erforderlichen Zuleitungen.

Das Projekt wird unterstützt von der

W. P. Schmitz-Stiftung – Schmitz-Hille-Stiftung – Peter Hesse Stiftung
Rolf-Seiwert Stiftung – Ellen-Böhme-Stiftung – Karl Engelfried Stiftung

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