Auszug aus dem Buch „Fortleben in den Schriften“

MITTE JUNI 2017 ERSCHIEN EIN BUCH VON DÖRTE UND RUPRECHT GROSSMANN SOWIE INGRID UND WOLFGANG KLUTH. DER TITEL IST „FORTLEBEN IN DEN SCHRIFTEN“       VERSTORBENE LILIENTHALER AUTORINNEN UND AUTOREN.       EIN ARTIKEL IST MARGOT MÜLLER GEWIDMET, DIE SICH EHRENAMTLICH STETS FÜR MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN EINGESETZT HAT.

Das Buch kann bei „BUCHSTÄBLICH“ in Lilienthal erworben werden.

Folgende Autoren werden gewürdigt:

  1.   Rainer Alsheimer (1941-2013)
  2.   Ingeborg Bräuninger (1936-2009)
  3.   Hans-Joachim Brandt (1936-2015)
  4.   Wilhelm Dehlwes (1910-2006)
  5.   Dieter Gerdes (1933-1998)
  6.   Felicia Jörres-Wessels (1931-2006)
  7.   Karl Kirsch (1942-2005)
  8.   Heinz Lemmermann (1930-2007)
  9.   Margot Müller (1941-2015)
  10. Harald Pickuth (1930-2009)
  11. Marion Piotrowski-Kempf (1943-1993)
  12. Heinrich Schmidt-Barrien (1902-1996)
  13. Horst  Vockenroth (1933-1992)
  14. Heinrich Warnken (1900-1991).

Margot Müller (1941 – 2015)

Margot Müller geb. Prechtel wurde am 4. November 1941 in Bassum geboren. Nach dem Besuch der Höheren Handelsschule in Bremen und einem Volontariat bei der Kreiszeitung Syke absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.

Einen erheblichen Teil ihres Berufslebens hat Margot Müller als Journalistin und Lokalredakteurin verbracht. Sie hat nacheinander für verschiedene Zeitungen gearbeitet und dabei jeweils die zeit-, orts- und bevölkerungsrelevanten Berichte der Lokalredaktion verfasst. Anhand der vorliegenden Dokumente fällt zunächst die breite Palette ihrer Artikel, sodann die mit einem großen Wortschatz und in einer verständlichen Sprache abgefasste Berichterstattung auf. Sie hat es ferner verstanden, die von anderen Personen hergestellten Fotos mit den passenden Erläuterungen zu versehen.

Von 1964 bis 1969 hat sie beim Kreisanzeiger für die Grafschaft Hoya und bei den Bremer Nachrichten für die Grafschaft Hoya und Diepholz gearbeitet. Sie hat dort unter anderem  über folgende Ereignisse (in zeitlicher Reihenfolge) berichtet:

Aufgaben der Gemeindeschwestern, Kinderschicksale bei der Arbeit des Jugendamtes, Vieh- und Inventarversteigerungen, Tagesarbeit eines Imkers, Aufgaben eines Tierschutzinspektors, Erwerbstätigkeit von Frauen im Jahr 1966, Nachts auf der Polizeiwache, Erwachsenenbildung auf dem Land, Einstellung von Krankenschwestern aus den Philippinen, Internationale Autotour d`Europe, Demonstrationen gegen den Dümmer-Schmutz, Friedensdemonstration im Kirchenkreis Syke, Lehrerverband für Gesamtschulen, Schließung eines Kinos, Kosten für Arzneimittel.

1970 heiratete Margot Prechtel den Psychiater Dr. Fritz-Martin Müller. Nach dem aus beruflichen Gründen ihres Ehemannes erfolgten Umzug nach Süddeutschland war sie von 1970 bis 1974 als Journalistin und Lokalredakteurin beim Südkurier in Konstanz tätig. Dort hat sie unter anderem über folgende Ereignisse berichtet:

Tulpenblüte und später Rosenblüte auf der Insel Mainau, Seniorenwohnungen in Konstanz, Rauschgiftwelle: 100.000 Frührentner durch Drogenmissbrauch, Neue Therapiewege gegen Alkoholsucht, Bericht über die Gefangenenseelsorge, Bericht über die Bahnhofsmission, 1250 Jahre Insel Reichenau.

1977 zog das Ehepaar nach Lilienthal;  Margot Müller arbeitete zeitweilig als Nachrichten-Redakteurin beim Weser-Kurier in Bremen. Ehrenamtlich engagierte sie sich für die Arbeit des Behindertenbereichs im Evangelischen Hospital Lilienthal.

Als ihr Ehemann sich 1988 als Psychiater in Lilienthal selbstständig machte, gab Margot Müller ihre berufliche Tätigkeit auf und half als Mitarbeiterin in der Praxis. Durch einen Unfall beim Skifahren erlitt Dr. Müller eine Halbseitenlähmung, die eine intensivere Unterstützung durch seine Frau erforderlich machte.

Anlässlich des 100jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Lilienthal 1995 hat Margot Müller auf der Grundlage des Feuerwehr-Archivs eine Chronik verfasst. Sie hat darin z.B. folgende Ereignisse beschrieben:

Gründungsakt, Gründung der Feuerwehr Falkenberg 1902, Mitglieder und Führungspersonen, Personenverluste und sonstige Schäden durch die Weltkriege, Gründung der Jugendfeuerwehr 1963, Schilderung einiger Großeinsätze wie z.B. den Brand von Kummers Hotel im Winter 1962 und die Einsätze im Katastrophenjahr 1981.

Im Jahr 1994 fasste das Ehepaar einen Plan zu einem neuen Thema:  Möglichkeiten des Golfspiels für behinderte Menschen. Trotz der später eingetretenen zusätzlichen Belastung verfolgten beide ihr Vorhaben weiter. Margot Müller schrieb dazu eine Reihe von Artikeln in der von ihr herausgegebenen Zeitschrift Birdie-News.

In der Folgezeit haben sich Margot und Fritz-Martin Müller nach Kräften bemüht, das Projekt Golfspiel voranzubringen. Ein Verein wurde 1998 gegründet und nach einigen Fehlentwicklungen und Rückschlägen 2004 der Golfplatz in Lilienthal eingerichtet[1] . Neben anderen hat vor allem Wolfgang Kluth wichtige Vorarbeiten, insbesondere zur Organisation und Finanzausstattung, geleistet. Für den Golfplatzbau waren Jochen Kempff und für die Errichtung des Clubhauses Heribert Dehé zuständig. Inzwischen haben auf dem Gelände schon viele Spiele, Turniere und Meisterschaften stattgefunden[2]. Margot Müller hat die Entwicklung  in einem längeren Aufsatz festgehalten. Abschließend soll sie mit einem Bericht über das Clubhaus zu Wort kommen[3] :

 „Alt, abgetragen, aber nicht abgeschrieben

Wie aus einem betagten Fachwerkanwesen ein schmuckes Clubhaus wurde

 Das war ein überraschendes Wiedersehen, als Anke Wansleven mit Tochter Heike Schlichting kürzlich das Clubhaus des GC Lilienthals besuchten. Beide waren aus dem Landkreis Verden angereist, denn Anke Wansleven wollte ein wenig ihrer Kindheit nachspüren. Das bereits 1822 entstandene Fachwerkhaus, das einst in Rethem an der Aller gestanden hatte, war ihr Elternhaus gewesen. Dort war sie aufgewachsen und hatte dort mit ihrer Familie viele Jahre ihres Lebens verbracht.

 Doch der Zahn der Zeit hatte im Laufe der Jahre unübersehbar an dem alten Haus genagt. 1953 hieß es dann: Es geht nicht mehr, das Gebäude war zu baufällig geworden, die Renovierungsarbeiten wären zu kostspielig geworden Das Gebäude‚das mit anderen Gewerken eine Hofstelle bildete als Holzhaus musste verlassen werden. In unmittelbarer Nähe war ein neues, modernes Wohnhaus für die Eltern von Anke Wansleven gebaut worden. Doch was tun mit dem alten Gemäuer??? Es stand unter Denkmalsschutz und hätte, wie gesagt, nur unter großem finanziellem Aufwand restauriert werden können.

Denkmalschutz wurde aktiv

Zunächst diente das alte Fachwerkhaus zum Teil als Scheune und phasenweise auch als Unterkunft für Arbeiter. Dann trat das Amt für Denkmalschutz in Aktion und präsentierte einen Architekten, der das Haus erwarb. Er ließ es 2001 fachgerecht abtragen und wollte es eigentlich für eine Privatperson an anderer Stelle wieder aufbauen. Doch daraus wurde nichts. Die alten Balken wurden abgelegt und die Familie Wansleven als Erben und Besitzer war zunächst einmal froh, dass das Haus kostenneutral entsorgt werden konnte. Durch einen Zufall, bzw. über ein Mitglied erfuhr der Golfclub Lilienthal von dem alten Gemäuer. Schnell war man sich einig darin, das geeignete Clubhaus gefunden zu haben…

 Da staunten die Ohlmeyers’

Mittlerweile herrscht reges Leben im Clubhaus. Manches fröhliche Beisammensein fand statt, verschiedene Künstler aus der Region stellen dort aus, und es waren auch schon wieder kleinere Umbauten erforderlich. So wurde u. a. das Sekretariat neu gestaltet. Und über dem Scheunentor versah Andreas Segelken die Inschrift des Querbalkens mit neuer Farbe. Die Namen der Erbauer des Hauses, Johann Dietrich Ohlmeyer und Ehefrau Sophia Dorothea sowie ein Segensspruch, alles vor fast 200 Jahren kunstvoll ins Holz geschnitzt, sind jetzt wieder weithin lesbar. Übrigens am 22. Dezember vergangenen Jahres waren sie noch einmal in Gestalt von Sigrid Behrens und Andreas Segelken lebendig geworden und nach Lilienthal gereist. In einem mit viel Beifall bedachten plattdeutschen Sketch bestaunten sie die Golfbälle und wunderten sich, was die Krähen doch heute für große Eier legen.“

 

Clubhaus des Golfclub Lilienthal

 

 

Nach 45 Jahren glücklicher Ehe starben Margot Müller am 28. Mai 2015, Dr. Fritz-Martin Müller am 26. April 2016.

 

[1] Fritz-Martin Müller, Birdie-News 2008 Jubiläumsausgabe S.7

[2] Birdie-News 2008 Jubiläumsausgabe S.7, S.11 f., 13 ff., 17 und 40

[3] Birdie-News 2008 Jubiläumsausgabe S.8-12, S.24 f.

Projekt für behinderte Kinder in Nigeria

Unser Schriftführer Wolfgang Kluth engagiert sich im Verein Human and Environment e.V. Bremen und ist in diesem Verein Schatzmeister. Die Internetadresse des Vereins ist
http://www.human-and-environment.org.
Der gemeinnützige Bremer Verein Human & Environment e.V. (H&E) wurde im April 2002 gegründet. Initiator war der nigerianische Ingenieur James Olusanmi, der Unterstützer zurVerbesserung der Lebensbedingungen der Menschen in seinem Heimatland suchte. Gleichzeitig war und ist es ihm ein Anliegen, die vielen in Bremen lebenden BürgerInnen aus afrikanischen Ländern mehr einzubeziehen und ihnen das Leben und Arbeiten in der hiesigen Gesellschaft zu erleichtern. Daher setzt sich H&E – neben der Unterstützung der Projektpartner in Nigeria – für einen respektvollen und gleichberechtigten Dialog zwischen Menschen mit afrikanischen Wurzeln und der Bremer Bevölkerung ein. Im Verein engagieren sich mehr als 50 Mitglieder. Sie kommen aus der Mehrheitsgesellschaft und aus derzeit sechs afrikanischen Ländern. Es gibt einen 5-köpfigen Vorstand, im beratenden Beirat engagieren sich aktuell acht Mitglieder. Alle Gremienmitglieder arbeiten ehrenamtlich und überwiegend bereits seit vielen Jahren.

Unser neuestes Projekt soll das Leben von Kindern mit Behinderungen erleichtern und soll den Integrationsgedanken in Nigeria fördern.

Hier einige Auszüge aus Projektbeschreibung:
Situationsbeschreibung/Problemanalyse
Das Projekt soll in Osogbo, der Landeshauptstadt des kleinen Bundeslandes Osun-State (3,4 Millionen Einwohner) im Südwesten Nigerias duchgeführt werden. Die „School for Parsons with Special Needs“ liegt am Stadtrand von Osogbo neben den MobilePolice Headquarters, Power Line Area. Die nigerianische Partnerorganisation hat seit über 10 Jahren ihren Arbeitsschwerpunkt in Osogbo und ist von der Bevölkerung als regierungsunabhängige und basisnahe NGO anerkannt. Seit 2012 sensibilisiert die NGO Politik und Bevölkerung für den Einsatz von Biogas. Unmengen verfaulender organischer Abfälle auf Märkten und in der Landwirtschaft könnten kompostiert oder als wertvolle Substrate in Biogasanlagen zu Biogas und biologischem Dünger eingesetzt werden…

2/3 der Nigerianer leben in extremer Armut, die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 53 Jahrenund gehört zu den niedrigsten der Welt. Die Gesundheitsversorgung ist unzureichend, das allgemeine Bildungsniveauniedrig. Neben der schlechten Infrastruktur im Transportsektor wird die Entwicklung des Landes durch die instabile Sicherheitslage vor allem im Norden und Südosten Nigerias durch Terrorgruppen schwer beeinträchtigt. …. Unter diesen Bedingungen sind Kinder mit Behinderungen besonders benachteiligt. Extreme Armut ist ein „idealer“ Nährboden für das Entstehen und die Nichtbewältigung von Behinderungen. Etwa 80 % der Kinder erleiden ihre Behinderung durch Komplikationen während Schwangerschaft/Geburt, durch Krankheiten in den ersten 5 Lebensjahren, Unfälle oder Mangelernährung. Dennoch geht ein Großteil der Bevölkerung bis heute davon aus, dass die Behinderung eine Strafe Gottes sei, dass Hexenkraft und Geister oder das Fehlverhalten der Mutter/Eltern gegenüber tradierten Normen Auslöser gewesen
seien. Soziale Abwehrreaktionen wie Vorurteile, Ignoranz, Tabuisierung, Verdrängen oder Anschuldigungen können die Anwendung ritueller Schutzmassnahmen auslösen. Die Familien empfinden Scham und erleben Isolation. Sie verstecken und vernachlässigen das Kind oder weisen es völlig ab bis hin zum Aussetzen oder Töten des Kindes. Die Entscheidung der Eltern für oder gegen das Kind ist somit einerseits wirtschaftlich-rationell, da die Behinderung ihres Kindes eine lebenslange Hilfe und Pflege durch die Familie verlangt, der Staat wenig unterstützt und die Wahrung der Lebensinteressen der „gesunden“ Kinder dringender ist. Andererseits sind jedoch irrational-emotionale Gründe wie Vorurteile/Ängste durch tief verwurzelte traditionelle Denkweisen, eine religiös-magische Lebensanschauung oder die Sorge um Ausgeschlossensein aus der Gemeinschaft ausschlaggebend für ihr Verhalten gegenüber ihrem behinderten Kind. Die betroffenen Kinder erleben sich als abhängig, schwach, ungeliebt und einsam. Werden sie von ihrer Familie verlassen, haben sie kaum Chancen auf Bildung, müssen betteln, überleben oft nicht.

Zielgruppe(n)
In der staatlichen „School of Persons with Special Needs“ in Osogbo werden seit 1984 Kinder mit Behinderungen betreut. Aktuell besuchen insgesamt 750 Schüler*innen im Alter von 3-18 Jahren die Primary- und Secondary-Schulen auf dem Gelände. Es sind blinde und gehörlose Kinder und solche mit körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen. Unter ihnen sind auch Kinder, die von ihren Familien verstossen wurden. An der Schule unterrichten 36 Pädagogen, daneben gibt es 14 nichtpädagogische Mitarbeiter. Auf dem 2 ha großen Gelände der Schule befindet sich das angegliederte Internatsgebäude für derzeit 180 Kinder aus den Primare Klassen. Die Räume, in denen Mädchen und Jungen getrennt leben, sind überfüllt, die 4 Latrinen auf dem Gelände in einem schlechten Zustand. Gekocht wird mit Feuerholz in einer bescheidenen Aussenküche. Die Regierung finanziert eine tägliche Mahlzeit für die Kinder der Primary School, die auf drei kärgliche Tagesrationen aufgeteilt wird. Die materielle und personelle Ausstattung reicht nicht aus für eine adäquate Förderung und Versorgung der Kinder. Auf dem Gelände befindet sich ein Brunnen, der nur in der Regenzeit Wasser liefert; dies stellt ein besonderes Problem dar. Größere Investitionen kann die Regierung bei der schwierigen Wirtschaftslage nicht finanzieren. Schulleitung und Behörden sind dankbar für jede sinnvolle Formder Unterstützung von außen.

Ziele

Die Kinder des Internats der „School of Persons Needs“ haben Zugang zu sauberem (Trink-)Wasser.Die Toiletten haben einen Wasserzulauf und Abfluss der Fäkalien. Die Exkremente verunreinigen nicht mehr das Grundwasser und das Schulgelände. Mädchen und Jungen haben getrennte Toiletten. Die verbesserte sanitäre Versorgung bietet vor allem den Mädchen Schutz und bessere Hygienemöglichkeiten auch während der Menstruation. Die Exkremente werden als Biomasse ebenso wie organische Küchenabfälle der Biogasanlage zugeleitet und in Biogas zum Kochen umgewandelt.Die unsichere, kostenverursachende und zeitaufwendige Versorgung mit Feuerholz, Holzkohle oder Kerosin zum Kochen entfällt aufgrund der zuverlässigen Biogasproduktion. Beim Kochen mit Biogas werden schädliche Klimagase, Atemwegserkrankungen und Verbrennungsunfälle vermieden. Die sich in den Kammern absetzenden Gärreste können als hochwertiger Biodünger chemischen Dünger ersetzen und an Gemüsebauern verkauft oder zur Düngung des geplanten Gemüsebeetes auf dem Schulgelände genutzt werden. Die Anlage dient als Pilotprojekt zur Anregung und weiteren Verbreitung der nachhaltigen Energiegewinnung und dem Grundwasserschutz.

Geplante Aktivitäten
Es soll eine erweiterbare Biogasanlage mit der erforderlichen Infrastruktur für das Internat auf dem Schulgelände gebaut werden. Das Projekt umfasst die Planung, den Bau sowie die Schulung, Inspektion und Supervision der gesamten Anlage. Der Leiter der Partnerorganisation ist Elektrotechnik-Ingenieur und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der Planung und Durchführung von unterschiedlichen Bauvorhaben und Elektroinstallationen in Nigeria, u.a. im Bau von Biogasanlagen. HR&EPF wird die Planung, Koordination, Schulung, den Bau und die Inspektion der Biogasanlage übernehmen. Lokale Firmen werden alle anderen handwerklichen Massnahmen ausführen. Das Material wird von lokalen Händlern geliefert, die Methanbrenner von einer chinesischen Firma. Die Infrastruktur beinhaltet folgende Komponenten:
• Biogasanlage: 1x16m³ „Fixed Dome“ Kammersystem
• Tiefbrunnen mit submersibler Wasserpumpe und 1500 Watt Solar Voltaic System
• 2×3000 Ltr. Overhead-Wassertanks auf einem Stahlträgergerüst
• Bau einer Toilettenanlage mit 2 Mädchen- und zwei Jungentoiletten mit Wasserspülung und Zuleitungen zur Biogasanlage
• 2 Methangasbrenner einschließlich der erforderlichen Zuleitungen.

Das Projekt wird unterstützt von der

W. P. Schmitz-Stiftung – Schmitz-Hille-Stiftung – Peter Hesse Stiftung
Rolf-Seiwert Stiftung – Ellen-Böhme-Stiftung – Karl Engelfried Stiftung

Menschen mit Behinderungen in Polen

In meiner Geburtsstadt Braunsberg/Ostpreußen (heute Braniewo) steht mein Geburtshaus. Damals war es ein katholisches Krankenhaus. Heute ist es ein Heim für psychisch erkrankte Menschen. Ein Beispiel für die Organisation der Betreuung der Menschen mit Behinderungen in Polen

(über Google Chrome lassen sich die in polnisch veröffentlichen Seiten direkt ins Deutsche übersetzen)

HTTP://PCPRBRANIEWO.PL

BEZIRKS FAMILIENHILFEZENTRUM IN BRANIEWO = PCPR POWIATOWE CENTRUM POMOCY RODZINIE W BRANIEWIE

 

 

aus der Wümme-Zeitung vom 14.11.2014

Director – Margaret Dunajska-Team Finanzen – Buchhaltung und Organisation und Personal Chief Accountant: Beata Gierwatowska
tel 55 644 02 67 Spezialist: Jolanta Janulewicz tel 55 644 29 55 ext… 201 Support-Team für Menschen mit Behinderungen und soziale Rehabilitation Spezialist: Jolanta Janulewicz Spezialist: Katarzyna Michalec tel 55 644 29 55 ext.. 201 Gruppe institutioneller Unterstützung Spezialist …

 

Bericht von der Konferenz „Verstehen Autismus“  Oktober 2016

Stand 5. Oktober 2016 im Konferenzraum des Bezirksamtes …

Therapie Workshops CARITAS in Frombork  Februar 2016

Therapie Workshops CARITAS in Frombork sind an Menschen mit Behinderungen gerichtet. WTZ haben 30 Sitze täglich und bieten den Teilnehmern:  Pflege und Entwicklung der individuellen Fähigkeiten und Interessen. Der Workshop umfasst die folgenden Arbeitsfelder: Haushalt,  Stricken, Logistik, Computer, Kunststoff, Gartenarbeit – die Natur.

Der Workshop wird von der Caritas der Erzdiözese von Ermland in Olsztyn auf Antrag des Bezirks Braniewo veranstaltet

 

Kreis-Team. Die Entscheidung über Disability  September 2011

Die Entscheidung über Disability 14-500 Braniewo Braniewo ul. Pilsudski-Platz 2 Tel /   Fax. (55) 644 29 55 Stadtteil-Team. In Braniewo on Disability. Entschieden wird von Montag bis Freitag von 7,30 bis 15,30; Vorsitzender des Teams ist ein Medikament. med. Krzysztof Duda. Distriktteams für die Entscheidung über Behinderung in Braniewo …

Die Finanzierung für die Teilnahme an einer Rehabilitation  Sept. 2011

Beteiligung an der Finanzierung für Menschen mit Behinderungen in der Rehabilitation. Rehabilitations- Urlaub bedeutet eine strukturierte Form der Rehabilitation kombiniert mit Elementen der Entspannung , die die allgemeine geistige und körperliche Fitness und die soziale Fähigkeit der Teilnehmer verbessern soll, z.B. durch den Aufbau von sozialen Kontakten, die Umsetzung und Entwicklung von Interessen  …

Die Finanzierung Bereitstellung von orthopädischen Hilfsmitteln Sept.2011

Orthopädische Hilfsmittel und Finanzierung des Angebots von orthopädischen Hilfsmitteln. Die   Unterlagen sind einzureichen beim Bezirk Familien Assistance Center in Braniewo Pl. Piłsudskiego 2, def. Nein. 104a 14-500 Braniewo tel 0 55 644 29 55. Benötigte Dokumente: Richtig ausgefülltes Antragsformular für die Finanzierung des Erwerbs von orthopädischen Geräten und Hilfsmittel …

Beseitigung der technischen Handelshemmnisse  September 2011

Beseitigung der technischen Handelshemmnisse und Kommunikation; Finanzierung zur Beseitigung von Barrieren in der Kommunikationstechnik. Technische Barrieren sind Hindernisse bei Nutzung oder Nichteinhaltung, je nach Art der Behinderung, Geräten oder Gegenständen. Die Beseitigung dieser Barrieren soll zu einem effizienteren Weg der Behinderten in die Gesellschaft führen und erlauben …

Beseitigung von architektonischen Barrieren  September 2011

Beseitigung von architektonischen Barrieren in der Wohnung bzw. im Wohnort der behinderten Person, Finanzierung für die Beseitigung von architektonischen Barrieren. Architektonische Barrieren sind alle Hindernisse, die im Gebäude und in seiner unmittelbaren Umgebung auftreten, die aufgrund technischer Lösungen, Design oder Nutzungsbedingungen ….

Kontakt: ul. Krasickiego 4 14-500 Braniewo Tel. 55 243 78 89 wtzfrombork@wp.pl   Manager Magdalena Jakóbczyk

 

Aktivitäten der Freizeitgruppe

  1. Wir waren am 5. November 2016 um 15.30 Uhr im Alten Amtsgericht. Wir haben gemalt und hatten Spaß.
  2. Wir waren  am 24.Sept. im Eiscafé
  3. Wir waren am 22. Oktober im Kino im Alten Amtsgericht
  4. Wir waren am 29. Oktober in „Kallis Werkstatt“ im Kindermuseum hinter dem Rathaus. Viele Spielstationen mit interessanten physikalischen                                Phänomenen regten zum Spielen und Nachdenken an.

Neu im Programm: die Freizeitgruppe

amtsgericht-kopieUnd … was machen Sie am Wochenende?

Darauf gibt es für ein Gruppe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit und ohne Behinderungen seit Ende September eine eindeutige Antwort in Lilienthal: (notiert von Karla Pfingsten)

„Ich treffe mich mit Freunden. Wir unternehmen was zusammen. Wir gehen Eis essen, ins Kino, ins Museum und auf Märkte oder andere öffentliche Veranstaltungen. Jetzt am kommenden Wochenende wollen wir Windlichter kleben. Wir treffen uns im Jugendheim „Altes Amtsgericht“ http://www.altes-amtsgericht.de/, und von da aus geht es los, je nachdem was geplant ist.

Der Verein Menschen mit Behinderungen ist der Träger – aber wir sind die Macher. Wir haben Spaß und machen Quatsch. Drei junge Frauen kümmern sich um uns und besorgen das Drumherum. Auch die Mitarbeiter des „Alten Amtsgericht“ sind für uns da bei Fragen und Wünschen. Wir haben viel vor. Wir wollen ins Theater, auf den Weihnachtsmarkt, backen Kekse und spielen Brettspiele; außerdem planen wir alle paar Wochen bei Beckers Gasthaus in Frankenburg kegeln zu gehen. Jeder kann seine Wünsche und Ideen bei uns einbringen. Die Organisation liegt bei Karla Pfingsten, der 2. Vorsitzenden des Vereins. Sie hat die Telefonnummer 04298/1688. Wenn sie Fragen haben, rufen sie einfach an.

Wir danken Frau Bürgy vom Alten Amtsgericht für ihre tatkräftige Unterstützung und wir fühlen uns in den Räumen des Jugendheims richtig wohl. So haben wir in dieser trüben Winterzeit jede Woche einen Termin, auf den wir uns freuen können.“

Die Samstagsnachmittagsausgehgruppekarla-pfingsten

Freizeitgruppe „Gemeinsam das Leben erleben und genießen“

ein Beitrag von Karla Pfingsten, Feldhausen 26, 28865 Lilienthal, Tel. 04298-1688

Liebe Familien der Teilnehmer an unserer Freizeitgruppe „Gemeinsam das Leben erleben und genießen“

Wir freuen uns, dass unser Plan eine Freizeitgruppe für junge Leute langsam Gestalt annimmt. Wir heißen Sie und Ihre Schützlinge herzlich willkommen bei dieser Aktivität unseres Vereins für Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen. Wir sind von Angehörigen junger Erwachsener in Lilienthal angesprochen worden, dass es so gut wie keine Möglichkeiten für ihre „Kinder“ gibt Freizeit in Gruppen zu verbringen, gemeinsam etwas zu unternehmen , zu spielen, zu tanzen, zu genießen oder einfach nur rumzualbern. Langsam öffnen sich die Sportvereine, es gibt auch die Theatergruppe „Mobile“, den Stammtisch, den Golfclub. Darüber sind wir sehr froh. Nun wollen wir die Idee einer Freizeitgruppe, die auch offen ist für Menschen ohne Behinderungen – jedenfalls würden wir niemanden zurückweisen – Wirklichkeit werden lassen. Wir haben schon eine Menge Planungsarbeiten vom Verein geleistet. Aber es nichts in starre Formen gegossen. Jede Idee ist herzlich willkommen. So haben wir Kontakt aufgenommen mit der Gaststätte Becker in Frankenburg. Dort hatte unsere frühere Freizeitgruppe alle 4 Wochen einen Kegeltermin. Sie sehen, es wird so langsam.

Wir haben einen Raum im Jugendheim „Altes Amtsgericht“ gefunden sind und sind dort mehr als willkommen. Die Mitarbeiter im Jugendheim hoffen, dass damit auch die Schwelle gesenkt wird und unsere Leute auch einfach mal so im Alten Amtsgericht vorbeischauen beim Normalbetrieb. Na, mal sehen, was sich entwickelt. Die ganze Veranstaltung ist vom Verein für Menschen mit Behinderungen übrigens mit einer Vereinsversicherung untermauert. Das waren wir unseren jungen Begleiterinnen einfach schuldig. Aber es passiert natürlich nichts, wo die Versicherung relevant sein könnte. Aber wie soll man alles hinbekommen ganz ohne Ecken und Kanten.

Nun zum Abschluss ein paar technische Hinweise.

  1. Träger ist wie schon erwähnt der Verein für Menschen mit Behinderungen und ihre Angehörigen. Wir haben nur 60 Mitglieder und würden es es sehr gern sehen, wenn Sie eintreten würden. Der Beitrag beläuft sich auf 15 € im Jahr.
  2. Die Kosten für die einzelnen Unternehmungen wie Kino, Museumsbesuche, Badevergnügen, u.ä. müsste ich mit Ihnen abrechnen. D.h. ich schlage vor, Sie vertrauen mir 20 € an und ich sage Bescheid, wenn wir das Geld ausgegeben haben. Ich hoffe, das ist nicht zu unverschämt. Es kommen ja nicht große Summen zusammen, z.B. das Kino mit einer Tüte Popcorn dazu kostete 0,50 €. Jedes Mal abzurechnen ist mir zu umständlich, wobei der Einstieg in die gemeinsame Freizeit sowieso immer ein bisschen schwierig ist. Wir haben noch keine Rituale entwickelt – das kommt alles, nach und nach.
  3. Die Materialien bei Werkeleien und Malereien bekommen wir vom Jugendheim. Wir würden uns über Wollreste , Knöpfe u.ä. freuen. Auch mal ein Topfkuchen oder Kekse sind willkommen hin und wieder.
  4. Hier ein paar Bemerkungen zu den Begleiterinnen. Es war nicht leicht, junge Menschen für diese Tätigkeit zu gewinnen. Die Schulen waren nicht besonders kooperativ und unsere persönlichen Kontakte zu interessierten Lehrern oder auch Pastoren mit Konfirmandengruppen erwiesen sich als unergiebig. Wir waren sehr froh, als unsere Enkelinnen sich für unsere Freizeitgruppe interessierten. Sie teilen sich die Begleitstunden und wir (mein Ehemann und ich) unterstützen sie. Wir wollten keine durchorganisierte Freizeit mit didaktischem Korsett und Zielplanung. Es soll so natürlich wie möglich sein. Hier also die kleine Vorstellung:
    1. Charlotta, 20 Jahre, gerade Abitur in Ottersberg an der Waldorfschule, will evtl. auf Lehramt studieren: Grundschule, Inklusion-, alles noch im Werden und steckt gerade in einem Bundesfreiwilligen Jahr.
    2. Emma, 17 Jahre, besucht die 11.Klasse der Ottersberger Waldorfschule
    3. Stina, 16 Jahre, auch Waldorfschülerin im 10. Schuljahr.
    4. Alle drei sind aus der Familie Bischoff / Pfingsten und wohnen in Lilienthal.Sie sind unsere Enkelinnen. Und wir sind überzeugt, dass sie mit ihrer Einstellung zum Leben Lebenslust, Freude am Spiel, Spaß und Fröhlichkeit in die Gruppe bringen können. Sie erhalten Aufwandsentschädigungen vom Verein wie z.B. die Sportgruppenleiter in ihrem Alter auch. Sie können Hinweise über Besonderheiten ihrer Kinder an die drei jungen Frauen geben. Sie werden sie nicht wir bei Facebook oder Twitter an andere weitergeben.
  1. Ich schlage einen Elterntreff vor, wo wir Anregungen, Kritik und Vorstellungen sammeln wollen. Zusammen kriegen wir das hin.
  2. Das ist für heute erst mal alles!

Mit freundlichen Grüßen

Karla Pfingsten

Gleichstellungsgesetz

Diskussion zur Gleichstellung von Menschen mit und ohne Behinderungen (Bitte auf die Links klicken)

Behindertengleichstellungsgesetz

http://www.behindertenbeauftragte.de/DE/Themen/RechtlicheGrundlagen/Behindertengleichstellungsgesetz/Behindertengleichstellungsgesetz_node.html

Teilhabe

http://www.einfach-teilhaben.de/DE/StdS/Ausb_Arbeit/Schwerbehinderung/Gleichstellung/gleichstellung_node.html

Googeln zum Thema Gleichstellung und Behinderungen

https://www.google.de/webhp?sourceid=chrome-instant&ion=1&espv=2&ie=UTF-8#q=gleichstellungsgesetz+behinderte

Das Teilhabergesetz

http://www.teilhabegesetz.org/

Lebenshilfe vs. Nahles: „Dieses Gesetz kränkt“

Demonstration gegen das Bundesteilhabegesetz in Potsdam

In Potsdam hatte Mitte Juli der Landesbehindertenrat zu einer Demonstration gegen das Bundesteilhabegesetz vor dem Landtag aufgerufen.

(Quelle: dpa)

von Kristina Hofmann

Große Koalition, große Vorhaben. Das Teilhabegesetz für Behinderte sollte so eins sein. Mehr Selbstbestimmung wurde versprochen. Doch die Kritik wächst, auch aus der SPD. Die Lebenshilfe befürchtet Verschlechterungen für geistig Behinderte. „So kann das nicht bleiben“, sagt Ulla Schmidt.

Es waren Hoffnungen wie diese: Eltern sparen oder vererben ihre Lebensversicherung ihrem geistig behinderten Kind, damit es nach ihrem Tod einigermaßen finanziell über die Runden kommt. Doch kommt das neue Behindertenteilhabegesetz so, wie es jetzt geplant ist, wird daraus nichts. Die Erben dürften maximal 2.600 Euro behalten, der Rest geht an den Staat. Und es geht auch um Hoffnungen wie diese: Das geistig behinderte Kind im Erwachsenalter lebt in einer betreuten Wohngemeinschaft – ein Hauch von selbstbestimmten Leben. Doch dieses Wohnmodell könnte sich bald finanziell nicht mehr tragen, der Bewohner müsste in ein Heim. „Das Gesetz ist so, wie es jetzt ist, schwerst diskriminierend“, sagt Ulla Schmidt.

Hoffen auf Widerstand der Abgeordneten

Schmidt ist Vizepräsidentin des Bundestags, SPD-Politikerin und auch Vorsitzende der Behindertenrechtsorganisation Lebenshilfe

Ulla Schmidt (SPD).
Quelle: ZDF

Sie war Bundesgesundheitsministerin und auch einmal Lehrerin an einer Sonderschule für Lernbehinderte. „Dieses Gesetz kränkt“, sagt sie, und widerspreche der guten Idee, die eigentlich dahinter stecke. Nämlich dass Behinderte mehr Freiheiten, mehr Selbstbestimmung bekommen sollen. Indem die Finanzierung der staatlichen Hilfe neu geregelt wird, soll Menschen mit Behinderung eine bessere Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht werden. An vielen Stellen, sagt Schmidt, sei das auch gelungen. An entscheidenden aber eben auch nicht.Das Gesetz stammt aus dem Haus von Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles, ebenfalls SPD. Mit der Kampagne #TeilhabeStattAusgrenzung will die Lebenshilfe nun erreichen, dass dieses Gesetz noch einmal geändert wird. Mehr als 38.000 Personen unterstützen bereits eine Online-Petition unterschrieben. Es gibt eine eigene Internetseite, Plakate, Postkarten und Vorschläge, wie Landtags- und Bundestagsabgeordnete dazu bewegt werden sollen, Änderungen zu erreichen. „Wir hoffen auf deutliche Veränderungen im Gesetzgebungsverfahren“, sagt Schmidt.

Problem: Sparbetrag, Wohngemeinschaften

Hauptkritikpunkt eins: Menschen mit geistiger Behinderung arbeiten oft in Werkstätten. Sie haben also kein Arbeitsverhältnis in klassischem Sinn und sind auf Grundsicherung angewiesen. Damit gelten für sie all die geplanten Neuerungen des Gesetzes nicht, wie etwa, dass der Freibetrag für Barvermögen bis 2020 auf 50.000 Euro erhöht wird. Sie dürfen nach wie vor nicht mehr als 2.600 Euro ansparen. Eine Diskriminierung gegenüber Körperbehinderten, sagt die Lebenshilfe. Dem Anwalt zum Beispiel, der im Rollstuhl sitzt. „Es unterstellt, die einen arbeiten hart, die anderen nicht“, sagt Schmidt. Viele Behinderte und ihre Angehörigen würden das nicht verstehen. „Und sie verstehen es mit Recht nicht.“ Werkstätten leisteten heute einen wichtigen Beitrag in der Industrie, rund 300.000 Menschen seien dort beschäftigt.

Teilhabegesetz

Ziel des Gesetzes

Im Prinzip will das Bundesteilhabegesetz die Sach- und Geldleistungen für Behinderte neu regeln und Betroffenen mehr Freiheit und Selbstbestimmung geben. In Deutschland beziehen rund 860.000 Menschen Eingliederungshilfen, etwa eine halbe Million davon ist geistig behindert. Mit Geld- und Sachleistungen sollen sie den Alltag besser bewältigen und ihnen eine Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen. Wer persönliche Hilfe, wie beispielsweise spezielle Fahrdienste oder einen Blindenhund, bekommt, muss Teile seines Einkommens dafür an den Staat wieder abgeben.

Weitere Informationen über folgenden Link

http://www.heute.de/lebenshilfe-befuerchtet-diskriminierung-geistig-behinderter-durch-neues-bundesteilhabegesetz-44496272.html

Ziel: Generationenwechsel

Menschen mit Behinderungen © Undine Zeidler

Horst Lison (vorne) ist neuer Vorsitzender des Vereins für Menschen mit Behinderungen. Vom Vorstand dabei: Traute Ranke, Karla und Werner Pfingsten sowie Elke Lison (von links). (Undine Zeidler)

60 Mitglieder zählt der Verein für Menschen mit Behinderungen. Als vor einigen Monaten der Vorsitzende Fritz-Martin Müller gestorben war, trafen sich die Mitglieder, um einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Kassenwartin Traute Ranke sagt: „Wir brauchten jemanden, der Erfahrung hat mit dem, was wir machen.“ Bei nur zehn aktiven Vereinsmitgliedern war die Auswahl überschaubar. Sie fiel auf den in Hannover lebenden Lison.

Mit einem sanften Lächeln sagt Horst Lison, ein wenig moralischer Zwang sei schon dabei gewesen. Schließlich hatte er als leitender Arzt der Kinderabteilung des damaligen Evangelischen Hospitals 1978 zu den Vereinsgründern gehört. Er hielt ihm bis heute die Treue, auch wenn er ein Jahr später dem Ruf nach Hannover folgte und dort als einer der ersten in Deutschland ein Sozialpädriatisches Zentrum aufbaute. „Aber Lilienthal lag mir immer am Herzen“, sagt er.

Die Kinder und Jugendlichen aus dem Hospital von einst sind Erwachsene geworden und leben heute betreut von der Diakonischen Behindertenhilfe (DBH). „Sie kennen mich noch“, sagt Lison, „und das ist schön.“ Schließlich galt sein lebenslanges Wirken als Psychologe jenen Menschen, die mit Einschränkungen durch dieses Leben gehen.

Um die Ecke denken

Und da, wo Horst Lison als Arzt an Krankenkassen-, Behörden- oder Institutionsgrenzen stieß, begann das Wirkungsfeld des Vereins. Daran hat sich bis heute nichts geändert. „Wir sind relativ frei in unserem Denken“, sagt er über den Verein und ist froh über diese Freiheit. Sie erlaubt dem Verein, das, was Gründungsmitglied und langjährige Lilienthaler Behindertenbeauftragte, Karla Pfingsten, so formuliert: „Hier muss man um die Ecke denken.“

Das taten sie oft. Ihr bekanntestes Projekt ist der Golfclub Lilienthal. Dort arbeiten Menschen mit Behinderungen als Greenkeeper und dort spielen sie erfolgreich Golf. Der Verein spendete einer Integrations-Kita kippsichere Dreiräder und Musikinstrumente, für eine Integrationsklasse sponserte er in einem Reitverein eine Rampe, über die auch an den Rollstuhl gebundene Kinder auf ein Pferd gehoben werden können und vieles mehr.

So steht denn nicht nur die Verjüngung der Mitglieder auf der Agenda von Horst Lisons Vereinsvorsitz. Für die Bewohner der Diakonischen Behindertenhilfe will er beispielsweise Musiktherapie etablieren. Aus seiner Arbeit weiß er um deren positive Wirkung.

Eine Freizeitgruppe für Kinder und Jugendliche, begleitet durch ehrenamtliche Helfer, ist so gut wie fertig geplant. Menschen mit Behinderungen soll der Zugang zu Veranstaltungen ermöglicht werden, dazu unterstützt der Verein finanziell Begleitpersonen. Eine Tanz AG in der Förderschule Schule am Klosterplatz in der Kreisstadt wollen sie ebenso unterstützen wie weiterhin das inklusive Golfspielen für Jugendliche auf dem Golfplatz. Eine Bücherbox mit Infomaterial zur Inklusion und Möglichkeiten der Unterstützung will der Verein schaffen und er will in Schulen und Kindergärten, die inklusiv arbeiten, nach weiteren sinnvollen Hilfsmöglichkeiten fragen, unter der Prämisse: „Wo können wir was machen, was ihr nicht könnt.“

Aber, so schränkt die Kassenwartin ein: „Wir wollen nicht irgendwas finanzieren, sondern nur, was wirklich sinnvoll ist für die Teilhabe.“ Denn darum geht es dem Verein: „Menschen mit Behinderungen Teilhabe zu bieten.“ Aber das kostet Geld.

„Wir brauchen Spenden“, sagt Horst Lison. Der Mindest-Mitgliedsbeitrag im Verein kostet nur 15 Euro pro Jahr, ergänzt Kassenwartin Ranke. Aber genauso wichtig wie das Geld sei eben die aktive Arbeit, denn gemeinsam mit den anderen Mitgliedern sind sie in ihrem Einsatz für Menschen mit Behinderungen alt geworden. Lison sagt: „Wir sind ein Seniorenverein.“ Und er weiß, das sieht in ähnlichen Vereinen nicht anders aus. So bleibt Verjüngung das Ziel Nummer eins. Nummer zwei formuliert Traute Ranke: „Meine Idealvorstellung wäre, dass wir in zehn Jahren nicht mehr gebraucht werden.“ Dass Inklusion dann so gelebt wird, wie sie in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen formuliert wurde. Deutschland hat sie im März 2007 unterzeichnet.

Weitere Informationen zum Verein bei Karla Pfingsten unter 0 42 98 / 16 88.