Auszug aus dem Buch „Fortleben in den Schriften“

MITTE JUNI 2017 ERSCHIEN EIN BUCH VON DÖRTE UND RUPRECHT GROSSMANN SOWIE INGRID UND WOLFGANG KLUTH. DER TITEL IST „FORTLEBEN IN DEN SCHRIFTEN“       VERSTORBENE LILIENTHALER AUTORINNEN UND AUTOREN.       EIN ARTIKEL IST MARGOT MÜLLER GEWIDMET, DIE SICH EHRENAMTLICH STETS FÜR MENSCHEN MIT BEHINDERUNGEN EINGESETZT HAT.

Das Buch kann bei „BUCHSTÄBLICH“ in Lilienthal erworben werden.

Folgende Autoren werden gewürdigt:

  1.   Rainer Alsheimer (1941-2013)
  2.   Ingeborg Bräuninger (1936-2009)
  3.   Hans-Joachim Brandt (1936-2015)
  4.   Wilhelm Dehlwes (1910-2006)
  5.   Dieter Gerdes (1933-1998)
  6.   Felicia Jörres-Wessels (1931-2006)
  7.   Karl Kirsch (1942-2005)
  8.   Heinz Lemmermann (1930-2007)
  9.   Margot Müller (1941-2015)
  10. Harald Pickuth (1930-2009)
  11. Marion Piotrowski-Kempf (1943-1993)
  12. Heinrich Schmidt-Barrien (1902-1996)
  13. Horst  Vockenroth (1933-1992)
  14. Heinrich Warnken (1900-1991).

Margot Müller (1941 – 2015)

Margot Müller geb. Prechtel wurde am 4. November 1941 in Bassum geboren. Nach dem Besuch der Höheren Handelsschule in Bremen und einem Volontariat bei der Kreiszeitung Syke absolvierte sie eine Ausbildung zur Journalistin.

Einen erheblichen Teil ihres Berufslebens hat Margot Müller als Journalistin und Lokalredakteurin verbracht. Sie hat nacheinander für verschiedene Zeitungen gearbeitet und dabei jeweils die zeit-, orts- und bevölkerungsrelevanten Berichte der Lokalredaktion verfasst. Anhand der vorliegenden Dokumente fällt zunächst die breite Palette ihrer Artikel, sodann die mit einem großen Wortschatz und in einer verständlichen Sprache abgefasste Berichterstattung auf. Sie hat es ferner verstanden, die von anderen Personen hergestellten Fotos mit den passenden Erläuterungen zu versehen.

Von 1964 bis 1969 hat sie beim Kreisanzeiger für die Grafschaft Hoya und bei den Bremer Nachrichten für die Grafschaft Hoya und Diepholz gearbeitet. Sie hat dort unter anderem  über folgende Ereignisse (in zeitlicher Reihenfolge) berichtet:

Aufgaben der Gemeindeschwestern, Kinderschicksale bei der Arbeit des Jugendamtes, Vieh- und Inventarversteigerungen, Tagesarbeit eines Imkers, Aufgaben eines Tierschutzinspektors, Erwerbstätigkeit von Frauen im Jahr 1966, Nachts auf der Polizeiwache, Erwachsenenbildung auf dem Land, Einstellung von Krankenschwestern aus den Philippinen, Internationale Autotour d`Europe, Demonstrationen gegen den Dümmer-Schmutz, Friedensdemonstration im Kirchenkreis Syke, Lehrerverband für Gesamtschulen, Schließung eines Kinos, Kosten für Arzneimittel.

1970 heiratete Margot Prechtel den Psychiater Dr. Fritz-Martin Müller. Nach dem aus beruflichen Gründen ihres Ehemannes erfolgten Umzug nach Süddeutschland war sie von 1970 bis 1974 als Journalistin und Lokalredakteurin beim Südkurier in Konstanz tätig. Dort hat sie unter anderem über folgende Ereignisse berichtet:

Tulpenblüte und später Rosenblüte auf der Insel Mainau, Seniorenwohnungen in Konstanz, Rauschgiftwelle: 100.000 Frührentner durch Drogenmissbrauch, Neue Therapiewege gegen Alkoholsucht, Bericht über die Gefangenenseelsorge, Bericht über die Bahnhofsmission, 1250 Jahre Insel Reichenau.

1977 zog das Ehepaar nach Lilienthal;  Margot Müller arbeitete zeitweilig als Nachrichten-Redakteurin beim Weser-Kurier in Bremen. Ehrenamtlich engagierte sie sich für die Arbeit des Behindertenbereichs im Evangelischen Hospital Lilienthal.

Als ihr Ehemann sich 1988 als Psychiater in Lilienthal selbstständig machte, gab Margot Müller ihre berufliche Tätigkeit auf und half als Mitarbeiterin in der Praxis. Durch einen Unfall beim Skifahren erlitt Dr. Müller eine Halbseitenlähmung, die eine intensivere Unterstützung durch seine Frau erforderlich machte.

Anlässlich des 100jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr Lilienthal 1995 hat Margot Müller auf der Grundlage des Feuerwehr-Archivs eine Chronik verfasst. Sie hat darin z.B. folgende Ereignisse beschrieben:

Gründungsakt, Gründung der Feuerwehr Falkenberg 1902, Mitglieder und Führungspersonen, Personenverluste und sonstige Schäden durch die Weltkriege, Gründung der Jugendfeuerwehr 1963, Schilderung einiger Großeinsätze wie z.B. den Brand von Kummers Hotel im Winter 1962 und die Einsätze im Katastrophenjahr 1981.

Im Jahr 1994 fasste das Ehepaar einen Plan zu einem neuen Thema:  Möglichkeiten des Golfspiels für behinderte Menschen. Trotz der später eingetretenen zusätzlichen Belastung verfolgten beide ihr Vorhaben weiter. Margot Müller schrieb dazu eine Reihe von Artikeln in der von ihr herausgegebenen Zeitschrift Birdie-News.

In der Folgezeit haben sich Margot und Fritz-Martin Müller nach Kräften bemüht, das Projekt Golfspiel voranzubringen. Ein Verein wurde 1998 gegründet und nach einigen Fehlentwicklungen und Rückschlägen 2004 der Golfplatz in Lilienthal eingerichtet[1] . Neben anderen hat vor allem Wolfgang Kluth wichtige Vorarbeiten, insbesondere zur Organisation und Finanzausstattung, geleistet. Für den Golfplatzbau waren Jochen Kempff und für die Errichtung des Clubhauses Heribert Dehé zuständig. Inzwischen haben auf dem Gelände schon viele Spiele, Turniere und Meisterschaften stattgefunden[2]. Margot Müller hat die Entwicklung  in einem längeren Aufsatz festgehalten. Abschließend soll sie mit einem Bericht über das Clubhaus zu Wort kommen[3] :

 „Alt, abgetragen, aber nicht abgeschrieben

Wie aus einem betagten Fachwerkanwesen ein schmuckes Clubhaus wurde

 Das war ein überraschendes Wiedersehen, als Anke Wansleven mit Tochter Heike Schlichting kürzlich das Clubhaus des GC Lilienthals besuchten. Beide waren aus dem Landkreis Verden angereist, denn Anke Wansleven wollte ein wenig ihrer Kindheit nachspüren. Das bereits 1822 entstandene Fachwerkhaus, das einst in Rethem an der Aller gestanden hatte, war ihr Elternhaus gewesen. Dort war sie aufgewachsen und hatte dort mit ihrer Familie viele Jahre ihres Lebens verbracht.

 Doch der Zahn der Zeit hatte im Laufe der Jahre unübersehbar an dem alten Haus genagt. 1953 hieß es dann: Es geht nicht mehr, das Gebäude war zu baufällig geworden, die Renovierungsarbeiten wären zu kostspielig geworden Das Gebäude‚das mit anderen Gewerken eine Hofstelle bildete als Holzhaus musste verlassen werden. In unmittelbarer Nähe war ein neues, modernes Wohnhaus für die Eltern von Anke Wansleven gebaut worden. Doch was tun mit dem alten Gemäuer??? Es stand unter Denkmalsschutz und hätte, wie gesagt, nur unter großem finanziellem Aufwand restauriert werden können.

Denkmalschutz wurde aktiv

Zunächst diente das alte Fachwerkhaus zum Teil als Scheune und phasenweise auch als Unterkunft für Arbeiter. Dann trat das Amt für Denkmalschutz in Aktion und präsentierte einen Architekten, der das Haus erwarb. Er ließ es 2001 fachgerecht abtragen und wollte es eigentlich für eine Privatperson an anderer Stelle wieder aufbauen. Doch daraus wurde nichts. Die alten Balken wurden abgelegt und die Familie Wansleven als Erben und Besitzer war zunächst einmal froh, dass das Haus kostenneutral entsorgt werden konnte. Durch einen Zufall, bzw. über ein Mitglied erfuhr der Golfclub Lilienthal von dem alten Gemäuer. Schnell war man sich einig darin, das geeignete Clubhaus gefunden zu haben…

 Da staunten die Ohlmeyers’

Mittlerweile herrscht reges Leben im Clubhaus. Manches fröhliche Beisammensein fand statt, verschiedene Künstler aus der Region stellen dort aus, und es waren auch schon wieder kleinere Umbauten erforderlich. So wurde u. a. das Sekretariat neu gestaltet. Und über dem Scheunentor versah Andreas Segelken die Inschrift des Querbalkens mit neuer Farbe. Die Namen der Erbauer des Hauses, Johann Dietrich Ohlmeyer und Ehefrau Sophia Dorothea sowie ein Segensspruch, alles vor fast 200 Jahren kunstvoll ins Holz geschnitzt, sind jetzt wieder weithin lesbar. Übrigens am 22. Dezember vergangenen Jahres waren sie noch einmal in Gestalt von Sigrid Behrens und Andreas Segelken lebendig geworden und nach Lilienthal gereist. In einem mit viel Beifall bedachten plattdeutschen Sketch bestaunten sie die Golfbälle und wunderten sich, was die Krähen doch heute für große Eier legen.“

 

Clubhaus des Golfclub Lilienthal

 

 

Nach 45 Jahren glücklicher Ehe starben Margot Müller am 28. Mai 2015, Dr. Fritz-Martin Müller am 26. April 2016.

 

[1] Fritz-Martin Müller, Birdie-News 2008 Jubiläumsausgabe S.7

[2] Birdie-News 2008 Jubiläumsausgabe S.7, S.11 f., 13 ff., 17 und 40

[3] Birdie-News 2008 Jubiläumsausgabe S.8-12, S.24 f.

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