Ziel: Generationenwechsel

Menschen mit Behinderungen © Undine Zeidler

Horst Lison (vorne) ist neuer Vorsitzender des Vereins für Menschen mit Behinderungen. Vom Vorstand dabei: Traute Ranke, Karla und Werner Pfingsten sowie Elke Lison (von links). (Undine Zeidler)

60 Mitglieder zählt der Verein für Menschen mit Behinderungen. Als vor einigen Monaten der Vorsitzende Fritz-Martin Müller gestorben war, trafen sich die Mitglieder, um einen neuen Vorsitzenden zu wählen. Kassenwartin Traute Ranke sagt: „Wir brauchten jemanden, der Erfahrung hat mit dem, was wir machen.“ Bei nur zehn aktiven Vereinsmitgliedern war die Auswahl überschaubar. Sie fiel auf den in Hannover lebenden Lison.

Mit einem sanften Lächeln sagt Horst Lison, ein wenig moralischer Zwang sei schon dabei gewesen. Schließlich hatte er als leitender Arzt der Kinderabteilung des damaligen Evangelischen Hospitals 1978 zu den Vereinsgründern gehört. Er hielt ihm bis heute die Treue, auch wenn er ein Jahr später dem Ruf nach Hannover folgte und dort als einer der ersten in Deutschland ein Sozialpädriatisches Zentrum aufbaute. „Aber Lilienthal lag mir immer am Herzen“, sagt er.

Die Kinder und Jugendlichen aus dem Hospital von einst sind Erwachsene geworden und leben heute betreut von der Diakonischen Behindertenhilfe (DBH). „Sie kennen mich noch“, sagt Lison, „und das ist schön.“ Schließlich galt sein lebenslanges Wirken als Psychologe jenen Menschen, die mit Einschränkungen durch dieses Leben gehen.

Um die Ecke denken

Und da, wo Horst Lison als Arzt an Krankenkassen-, Behörden- oder Institutionsgrenzen stieß, begann das Wirkungsfeld des Vereins. Daran hat sich bis heute nichts geändert. „Wir sind relativ frei in unserem Denken“, sagt er über den Verein und ist froh über diese Freiheit. Sie erlaubt dem Verein, das, was Gründungsmitglied und langjährige Lilienthaler Behindertenbeauftragte, Karla Pfingsten, so formuliert: „Hier muss man um die Ecke denken.“

Das taten sie oft. Ihr bekanntestes Projekt ist der Golfclub Lilienthal. Dort arbeiten Menschen mit Behinderungen als Greenkeeper und dort spielen sie erfolgreich Golf. Der Verein spendete einer Integrations-Kita kippsichere Dreiräder und Musikinstrumente, für eine Integrationsklasse sponserte er in einem Reitverein eine Rampe, über die auch an den Rollstuhl gebundene Kinder auf ein Pferd gehoben werden können und vieles mehr.

So steht denn nicht nur die Verjüngung der Mitglieder auf der Agenda von Horst Lisons Vereinsvorsitz. Für die Bewohner der Diakonischen Behindertenhilfe will er beispielsweise Musiktherapie etablieren. Aus seiner Arbeit weiß er um deren positive Wirkung.

Eine Freizeitgruppe für Kinder und Jugendliche, begleitet durch ehrenamtliche Helfer, ist so gut wie fertig geplant. Menschen mit Behinderungen soll der Zugang zu Veranstaltungen ermöglicht werden, dazu unterstützt der Verein finanziell Begleitpersonen. Eine Tanz AG in der Förderschule Schule am Klosterplatz in der Kreisstadt wollen sie ebenso unterstützen wie weiterhin das inklusive Golfspielen für Jugendliche auf dem Golfplatz. Eine Bücherbox mit Infomaterial zur Inklusion und Möglichkeiten der Unterstützung will der Verein schaffen und er will in Schulen und Kindergärten, die inklusiv arbeiten, nach weiteren sinnvollen Hilfsmöglichkeiten fragen, unter der Prämisse: „Wo können wir was machen, was ihr nicht könnt.“

Aber, so schränkt die Kassenwartin ein: „Wir wollen nicht irgendwas finanzieren, sondern nur, was wirklich sinnvoll ist für die Teilhabe.“ Denn darum geht es dem Verein: „Menschen mit Behinderungen Teilhabe zu bieten.“ Aber das kostet Geld.

„Wir brauchen Spenden“, sagt Horst Lison. Der Mindest-Mitgliedsbeitrag im Verein kostet nur 15 Euro pro Jahr, ergänzt Kassenwartin Ranke. Aber genauso wichtig wie das Geld sei eben die aktive Arbeit, denn gemeinsam mit den anderen Mitgliedern sind sie in ihrem Einsatz für Menschen mit Behinderungen alt geworden. Lison sagt: „Wir sind ein Seniorenverein.“ Und er weiß, das sieht in ähnlichen Vereinen nicht anders aus. So bleibt Verjüngung das Ziel Nummer eins. Nummer zwei formuliert Traute Ranke: „Meine Idealvorstellung wäre, dass wir in zehn Jahren nicht mehr gebraucht werden.“ Dass Inklusion dann so gelebt wird, wie sie in der UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen formuliert wurde. Deutschland hat sie im März 2007 unterzeichnet.

Weitere Informationen zum Verein bei Karla Pfingsten unter 0 42 98 / 16 88.

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